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Juristische Fachbeiträge von Romünder & Georg
 

Digitalisierung Innovative Finanztechnologien (FinTechs)

Der Begriff „FinTech“ steht zum einen für innovative Finanztechnologien, zum anderen für Unternehmen, die sich auf innovative Finanztechnogien spezialisieren. Ende vergangenen Jahres befanden sich unter den ca. 500 Unicorns der Welt, also Startup-Unternehmen vor einem Börsengang oder einem Exit mit einer Marktbewertung von über einer Milliarde US-Dollar, bereits ca. 70 FinTechs. Auch in Deutschland strömen jährlich Dutzende FinTech-Startups auf den Markt. Der deutsche FinTech-Sektor wird aller Voraussicht nach noch in diesem Jahr die 1000er Marke überschreiten. Aber auch traditionelle Kreditinstitute und Banken versuchen zunehmend am sich stetig weiterentwickelnden FinTech-Markt zu partizipieren.

Auch wenn innovative Finanztechnologien kein neues Phänomen sind – galten doch Bankautomaten, EC-Karten etc. einst ebenso als innovative Finanztechnologien – gewann die FinTech-Branche seit der Finanzmarktkrise 2007/2008 rasant an Fahrt. Hierzu trugen insbesondere die Entwicklung von Distributed-Ledger-Technologien wie der Blockchain und darauf basierender Token, aber auch beachtliche Fortschritte bei der Entwicklung Algorithmen-basierter Systeme sowie künstlicher Intelligenz (KI) wesentlich bei. Die zunehmende Technologie-Affinität in der Bevölkerung zeigt sich derzeit an der stark wachsenden Beliebtheit von innovativen Finanztechnologien wie Kryptowährungen, Mobile Payment-Anwendungen, Trading Apps, Smart Contracts, Robo Advisory und digitaler Finanzportfolioverwaltung, Initial Coin Offerings, Crowdlending, Crowdfunding, Crowdinvesting, Social Trading sowie Peer-to-Peer-Krediten über entsprechende Online-Plattformen. Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken führen derzeit eigens einen neuen Online-Bezahldienst ein. Als Alternative zu immer populärer werdenden Kryptowährungen erwägen mehrere Zentralbanken weltweit die Einführung digitaler Zentralbankwährungen; so arbeitet aktuell auch die Europäische Zentralbank an einem digitalen Euro.

Der europäische ebenso wie der deutsche Gesetzgeber haben das Potential solcher innovativen Finanztechnologien längst erkannt. Die Europäische Kommission hat zuletzt einen eigenen FinTech-Aktionsplan und die Bundesregierung eine Blockchain-Strategie veröffentlicht. Aus bank- und kapitalmarktrechtlicher Sicht stellt sich im Umgang mit solchen innovativen Finanztechnologien eine ganze Reihe spannender Fragen. Dabei stellen gerade auf Distributed-Ledger-Technologien wie der Blockchain basierende, dezentrale innovative Finanztechnologien ohne traditionellen Intermediär (wie eine Bank) den Gesetzgeber vor besondere aufsichtsrechtliche Herausforderungen. Da FinTechs zumeist grenzüberschreitend wirken, stellt sich zudem die Frage, ob das (deutsche) Internationale Privatrecht der Entwicklung noch gerecht wird. Aber auch das herkömmliche Zivilrecht kommt auf den Prüfstand. Zivilrechtlich revolutionär ist etwa der neue, Inhaberschuldverschreibungen betreffende „Entwurf eines Gesetzes zur Einführung von elektronischen Wertpapieren“ (eWpG-E) des Bundesjustiz- und Bundesfinanzministeriums, wonach elektronische Wertpapiere fortan fiktiv als Sache im Sinne des § 90 BGB gelten sollen. Weitere gesetzliche Schritte zur Entmaterialisierung bahnen sich an, so etwa für digitale Aktien sowie in anderen Bereichen des Kapitalgesellschaftsrechts.


Ein Fachbeitrag aus dem DIRO-Netzwerk

Beitrag veröffentlicht am
31. Mai 2021

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